Ein Jahrgang voller Regen, Balance und Geduld
Das Jahr 2025 wird uns als ein Jahrgang in Erinnerung bleiben, der Tropfen für Tropfen entstanden ist. Von November 2024 bis zum Ende der Ernte vergingen nie mehr als zwanzig Tage ohne Regen: ein stetiger Rhythmus, der unsere Weinberge im Chianti Classico und die mediterran geprägten Lagen in der Maremma während der gesamten Vegetationsperiode begleitet hat.
Nicht die Gesamtmenge des Niederschlags prägte den Charakter des Jahres – rund 900 mm im Chianti Classico und etwa 1.200 mm in der Maremma – sondern vor allem seine gleichmäßige Verteilung, oft in vielen kleinen Ereignissen. Selbst in den wärmsten Sommerphasen im Juni und August waren Regen oder kurze Gewitter stets präsent. Die Temperaturen stiegen nie über 36°C, wodurch die Reben eine in den letzten Jahren selten gewordene Balance bewahren konnten.
Diese konstante Wasserversorgung, kombiniert mit einem moderaten Sommer, unterstützte die Reben ohne Stress: das Laub blieb grün und aktiv, und die Reife entwickelte sich gleichmäßig. Gleichzeitig war es ein anspruchsvolles Jahr im Weinberg, da der Pilzdruck hoch war und kontinuierliche Aufmerksamkeit sowie präzise Arbeit erforderte.
Vegetationsverlauf
Nach anhaltenden Niederschlägen bis Mitte Oktober 2024 brachte der November eine erste Abkühlung, und der Dezember verlief vergleichsweise trocken. Der Rebschnitt begann in den ersten Dezembertagen, zunächst in den jüngeren Weinbergen und in den höher gelegenen Parzellen rund um Nittardi sowie in Villa Rosa (Castellina in Chianti).
Der Winter war mild und insgesamt eher trocken, während März und April wieder wechselhaft wurden und den Vegetationsbeginn verlangsamten. Der Austrieb begann am 1. April in den frühesten Lagen (insbesondere in der Maremma und bei Villa Rosa), während er bei Nittardi und San Giorgio (San Donato in Poggio) um etwa zehn Tage verzögert war.

April und Mai waren die sensibelsten Monate: In der Maremma fielen rund 220 mm Regen, was zu hoher Luftfeuchtigkeit und Peronosporadruck führte. Entscheidend war in dieser Phase die konsequente Arbeit im Weinberg – durch sorgfältige Bodenpflege, regelmäßige Behandlungen auf Basis von Kupfer und Schwefel sowie eine ständige Kontrolle, vor allem in den exponierteren Parzellen.

Juni und Juli blieben moderat, mit Temperaturen um 32–35°C. Im Chianti Classico entwickelte sich das Wachstum gesund und ausgeglichen; in der Maremma profitierten Sorten wie Vermentino, Roussanne, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Sangiovese von einer langsamen und gleichmäßigen Reife. Die Véraison begann Mitte Juli in der Maremma und bei Villa Rosa, während sie bei Nittardi und San Donato etwa 10–15 Tage später einsetzte.

Die Lese
Der August wechselte zwischen stabilen Tagen und hilfreichen Niederschlägen, was die Reife verlangsamte und aromatische Komplexität sowie Frische förderte. Die Lese begann am 1. September in der Maremma mit Vermentino und Roussanne, gefolgt von den ersten Parzellen Merlot und Sangiovese. Ab dem 10. September startete die Ernte im Chianti Classico – mit homogener Reife und gesundem Lesegut.

Abgeschlossen wurde die Lese am 26. September, mit den letzten Parzellen in den kühlsten Lagen des Chianti Classico.



Fazit
2025 war ein Jahrgang, der täglich große Aufmerksamkeit verlangte – und gleichzeitig eine bemerkenswerte Harmonie schenkte. Die Weine zeigen schon jetzt ein klares Profil: Energie, Präzision, feine Tanninstruktur und eine lebendige Säure, die großes Reifepotenzial verspricht.
Sowohl im Chianti Classico als auch in der Maremma ist die Lese 2025 das Ergebnis eines großzügigen Klimas und einer sorgfältigen, präzisen Vitikultur: ein Jahrgang der Balance statt Kraft, der Eleganz statt Wucht. Ein Jahr, das daran erinnert, dass manchmal die Kontinuität – und nicht das Außergewöhnliche – den Unterschied macht.

